Tag

Aberglaube

Browsing

Ein Ausflug in die Provinz Bari: Bitonto und seine Beziehung zur Madonna Ich bin Anfang des Jahres vom Zentrum Baris in die etwas außerhalb gelegene Kommune Bitonto gezogen. Und natürlich blieb es da nicht aus, sich auch mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen. In den nächsten Monaten werden euch also wohl noch ein, zwei weitere Artikel aus der 55.000 Einwohner-Stadt Bitonto in der Provinz Bari erwarten. Gegründet wurde die Kleinstadt irgendwann in den letzten Jahrhunderten vor Christus. Namensgeber stand dabei der König der Illyrer, Botone. Die Illyrer waren ein Mittelmeervolk, das ab etwa 500 v. Chr. die Küstenregionen des heutigen Albaniens, Montenegros, Makedoniens und Herzegowinas besiedelt hatten. Im zweiten Illyrischen Krieg um 219 v. Chr. verleibten sich die Römer einen Großteil des Illyrischen Reiches ein und besiegelten damit das Ende deren Herrschaft. Spuren erster Besiedelung gehen aber bis auf das neolithische Zeitalter zurück und schon zu Zeiten der…

Seinen Namen hat das kleine Städtchen Monte Sant’Angelo, das im nördlichen Apulien zwischen hektargroßen Olivenhainen und Weinbergen gelegen ist, erhalten, weil angeblich im 5. Jahrhundert der Erzengel Michael örtlichen Hirten erschienen ist. Eigentlich müsste die Stadt, Monte dei Santi heißen. Denn alles in dieser Stadt dreht sich um Heilige, Kirchen, Päpste und Engel. Es ist nicht umsonst ein Wallfahrtsort, mehr denn eine reine Touristenattraktion. Und nicht nur dort, auch am Fuß des Berges, in San Giovanni Rotondo, geht es so weiter. Legenden und Erzählungen längst vergangener Tage ranken sich um diese Gegenden. Auf dem Weg hinauf nach Monte Sant’Angelo liegt in einer Kurve ein ehemaliges Nonnenkloster, oben angekommen ist im Zentrum der Stadt ein riesiger Komplex schon von weitem zu erkennen, ein von Padre Pius ins Leben gerufenes Krankenhaus mit (mittlerweile) angeschlossenem Rehabilitationszentrum. Oben auf dem Berg angekommen dann, überblickt man die komplette Landschaft der Gegend. Es ist wirklich atemberaubend.…

Dass es ausgerechent im erzkatholischen Italien so eine weit verbreitete Kultur des Aberglaubens gibt, ist immer wieder zwar auch ironisch, aber auch spannend zu beobachten.

Als wir beim letzten Winterschlussverkauf auf ein Paar tolle Stiefeletten aufmerksam geworden sind, zum Beispiel, war ich trotz großem Sconto immer noch unsicher, ob ich denn wirklich so viel Geld invesitieren sollte. Da meinem Freund die Stiefel – und diese wiederum an mir – so gut gefallen haben, wollte er mir etwas Gutes tun und sagte: “Ich zahle die Hälfte und Du die andere.” Er würde sie mir gerne auch schenken, aber Schuhe schenke man in Italien traditionell nur Toten. Einer lebendigen Person Schuhe zu schenken brächte also Unglück.

Nächstes Mal such ich mir wohl lieber eine Tasche oder Unterwäsche aus oder so was… 😉

Der Aberglaube ist in Italien ein Teil des Alltags, so, wie die Gestik ein Teil der Sprache ist. Und im Unglück bzw. darin, es abzuwenden, vereint sich das erst so richtig.

Folgende Geste kennt man ggf. daher, dass man sie auch zeigt, wenn man beispielsweise einen Mann darauf hinweisen möchte, dass er von seiner Frau betrogen wird oder wurde. Dass er also der Gehörnte ist >>

Sie wird aber auch angewendet, wenn man grundsätzlich über einen (möglichen) Unglücksfall spricht. Und wie es mit dem Gestus der Italiener eben so ist, ist auch das Zeigen der Hörner ein Akt von Sekunden, wenn nicht gar Milisekunden.

Sie blitzt also quasi nur so lange auf, wie das Unglück tatsächlich wörtlich erwähnt, also, ausgesprochen wird. Dieser Habitus soll vor allem das Unglück von demjenigen abwenden, der darüber spricht. Und das gilt nicht zuletzt auch, wenn man über den Fakt des Betrogenwerdens eines anderen spricht. Denn wer möchte schon selbst im Zweifelsfall als “der Gehörnte” sein?!

Interessant fand ich aber Folgendes:

Laut meinem Freund gibt es noch zwei weitere Gesten mit der gleichen Funktion. Wenn er über ein Unglück spricht, fasst sich der Mann währenddessen an den Schritt (oder deutlicher formuliert: si tocca le palle), die Frauen an die rechte Brust:

Als ich das gehört hab, musste ich erst einmal laut loslachen. So etwas ist uns Deutschen völlig fremd. Und irgendwie sexualisiert es den Aberglauben auch ein wenig, was umso spannender ist, im Lichte des Katholozismus und der sonstigen Einstellung, dass zum Beispiel ein Paar erst dann im gemeinsamen Zimmer oder gar Bett schlafen darf, wenn es verheiratet ist. La superstizione è ancora viva tra la gente… Und zwar sehr… 😀 *



Aber so absurd es auf den ersten Blick scheint, es ist doch irgendwie auch ein sympathischer Wesenszug der Italiener. Und vor allem ein Ihnen ganz eigener. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach, als Außenstehnder zu begreifen, was nun also alles porta sfortuna. Vieles kommt überraschend, anderes ist eher offensichtlich. Wieder anderes erschließt sich einem erst auf den zweiten Blick oder wenn man es sich erklären lässt.

Aber grundsätzlich ist nichts und niemand sicher vor dem Unglück!!!

Noch ein Beispiel gefällig?
Wenn man einem jungen Mädchen oder einem kleinen Jungen sagt, sie bzw. er sei eine bella ragazzina bzw. ein bello ragazzino muss man ihr oder ihm dabei in die Wange kneifen, während man das sagt.
Wenn man den Knuff in die Pausbacken weglässt, bringt das nämlich – was auch sonst?! – Unglück für die figlioli. Und wer will am Ende schon dafür verantwortlich sein, Unglück über den (eventuell eigenen) Nachwuchs gebracht zu haben… 😉