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Redewendungen, die auf Deutsch und Italienisch gleich sind Wie meinte mein Exfreund damals so „weise“? „Das römische Reich war auch bei uns.“ Das war seine Standardantwort, wenn ich mich mal wieder freute, dass ich Redewendungen entdeckt hatte, die sich von Deutsch wortwörtlich auf Italienisch übersetzen ließen und umgekehrt. So oft kommt das tatsächlich nicht vor, weil Deutsch sich aus verschiedenen Ursprüngen – romanische, germanische, skandinavische Einflüsse – besteht. Italienisch hingegen ist eine rein romanische Sprache. Dennoch gibt es immer wieder Redewendungen und alltägliche Ausdrücke, die Konversationen bereichern und leicht zu merken sind, weil sie eben (beinahe) 1:1 übersetzbar sind. Das dürfte vor allem Italienischlernern das Leben hier und da etwas vereinfachen und den Sprachwortschatz eventuell etwas bereichern. Im schlimmsten Fall ist es vielleicht einfach nur spannend zu lesen. Der Einfachheit halber hab ich beschlossen, Idiome wie „zwei Paar Schuhe“ (Deutschland) und „zwei Paar Ärmel“ (Italien) oder die „verschüttete Milch“ (Deutschland)…

leggere in italiano » Ob / Falls / Wenn vs. Se In meiner mir mittlerweile recht liebgewonnen Sprachapp komme ich hin und wieder auch in die Verlegenheit, deutsche Grammatik erklären zu müssen. Jetzt hab ich zwar Germanistik studiert und sogar die Literaturwissenschaften links liegen gelassen und stattdessen die Syntaxvorlesungen besucht (wieso einfach, wenn’s auch umständlich geht), aber ich würde Grammatik jetzt trotzdem nicht unbedingt als mein Spezialgebiet betrachten… Ich bin ja schon froh, wenn ich mir selbst den Unterschied zwischen Konjunktiv und Konditional klar machen kann – wobei ich regelmäßig versage, übrigens. Glücklicherweise nur in der Theorie. Also in der deutschen Theorie 😀 Fremdsprachen gelten nicht! 😀 Wenn ich nun also nach grammatikalischen Eigenheiten der deutschen Sprache gefragt werde, wird mir immer wieder mal vor Augen geführt, wie kompliziert unser Sprachsystem tatsächlich ist und ich habe mich schon öfter dabei ertappt, dass ich dachte, Deutsch ist deshalb nicht nur schwer zu…

Ich hab mich mal wieder, dank italienischem Fernsehstream, ein wenig mit meiner Lieblingssprachlernstrategie, den Eselsbrücken auseinandergesetzt und mal wieder einige Pärchen aufgetan, die sich eins zu eins vom Deutschen ins Italienische und umgekehrt transportieren lassen. Aus Zeitmangel und weil ich mit dem Kopf schon im übermorgen endlich startenden Flugzeug nach Süditalien bin, während ich meine Wohnung abreisefertig mache und meinen Koffer packe, folgt heute also mal wieder ein Sprachpseudowissenschaftlicher Post: Heute hat mein Chef mich zu sich zitiert. Mit der Ansage, er wolle mit mir darüber sprechen, wie es denn für mich in der Zukunft weitergehen solle. *Dazu sei gesagt, mein Chef weiß noch nichts von meinen Plänen und ich sitz seit einigen Monaten bei der Arbeit auf heißen Kohlen, nachdem er mir sagte, dass es möglich wäre, dass ich Ende des Jahres entlassen werden müsste. Somit geht jede Ankündigung zu einem Gespräch mit einem gewissen Knurren im Magen einher.…

Im Frühling diesen Jahres bin ich umgezogen. Von einer WG wieder in eine eigene Wohnung. Dummerweise lag ich ab Mitte Februar mit einem Bandscheibenvorfall flach und der Umzug war zum 01. März.

Kurz entschlossen stieg mein Freund ins Flugzeug und eilte mir zu Hilfe. (Diesen “Luxus” konnten wir uns nur deshalb leisten, weil er zum Januar seine Stelle verloren hat.) Den Umzug managte er quasi im Alleingang, ich konnt’ mich kaum bewegen, aber tat, was ich eben konnte.

Da die neue Wohnung auch nicht über eine Küche verfügte, mein Vater aber noch eine unbenutzt in der unbewohnten Dachwohnung seines Hauses hatte, heuerte ich den Freund meiner Mutter und meinen Onkel mit an, um zu fünft (bzw. zu viert, ich konnt’ ja kaum was machen) diese Küche also auszubauen, aufzuladen, abzuladen und wieder aufzubauen. Glücklicherweise passte sie ziemlich genau in meine neue Wohnung hinein, jedoch musste ich meine Waschmaschine in die Küche integrieren.

Das hieß natürlich auch, neue Arbeitsplatte, Schläuche verlegen, Schränke ausschneiden, etc. pp.

Die harte Arbeit übernahm dankbarerweise der Freund meiner Mutter. Und zwar 1000% genau. Ich glaube, es gab kaum eine Stelle, die nicht mittels Wasserwaage aufs akurateste überprüft und montiert wurde.

Da ich nun irgendwann aber wieder “gesund” (nennen wir es lieber: bewegungsfähiger) war, musste ich natürlich ab einem bestimmten Punkt auch wieder arbeiten. Damit die Arbeiten in der Küche sich aber nicht unnötig in die Länge zogen, kamen meine Mutter und Freund trotzdem auch an ein, zwei Werktagen vorbei. Mein Freund war ja da und konnte getrost die Tür öffnen.

So kam’s also, dass ich eines Tages von der Arbeit nach Hause kam und mein Freund mir freudestrahlend die Tür öffnete, grinste und mit stolz geschwellter Brust verkündete: “Amò, lo sai che cosa ho imparato? So dire ‘Dreckschaufel’ e ‘Bohrmaschine’!”

😀

Ich konnt’ mir ein Lachen nicht verkneifen, es war einfach zu ulkig!

Natürlich sind das nun keine Worte, die man oft braucht, aber im Zusammenhang mit dem Küchenaufbau und Umzug sind sie natürlich oft genug gefallen.

Dazu muss man sagen: Der Freund meiner Mutter spricht kein Hochdeutsch (eine Dreckschaufel ist, falls es nicht klar sein sollte, die Kehrschaufel von einem Handfegerset) oder zumindest ist er im Hochdeutschen eher schwerfällig und fühlt sich mit Dialekt einfach wohler.

Ich kann nur ahnen, wie diese Gespräche abgelaufen sein müssen: Er brabbelt meinen Freund mit breitem Dialekt voll und hält ihm jedes Arbeitsgerät vor die Nase, um ihm überbetont das deutsche Wort dafür zu sagen, während der Rest eher mit 5 Fetzen Englisch und Hand-und-Fuß, wie man so schön sagt, geklärt wurde.

Die Szene an der Wohnungstür aber hat mir den Tag unglaublich versüßt und es war einfach zu witzig!

Ich weiß nicht, wie andere Sprachen lernen, aber mal abgesehen von Vokabeln lernen und Grammatikregeln verstehen zu versuchen oder wahlweise auswendig zu lernen, funktionieren für mich vor allem Eselsbrücken besonders gut.

Und deshalb freu ich mich zum Beispiel immer, wenn ich über die ein oder andere Formulierung stolpere, die mir den Luxus gönnt, eine Redewendung eins-zu-eins übersetzen zu dürfen. Ohne mich dadurch zum Affen zu machen, versteht sich.

Wenn ich meinen Freund einmal zu oft auf solche “Sprachphänomene” aufmerksam mache, folgt in der Regel so etwas wie: “Oh, welch Wunder. Weißt Du, Schatz, das Römische Reich hat sich auch über unser Land erstreckt.” *hmpf* 😀

Aber ernsthaft – und blöde Sprüche hin oder her – mir helfen solche “modi di dire”, die auf Deutsch und Italienisch, wahlweise auch auf Englisch und Italienisch* gleich funktionieren, unheimlich beim Erlernen der Sprache.

*Ich erinnere an dieser Stelle an das grünere Gras in Nachbars Garten…

Das ist mitunter auch ein Grund dafür, weshalb ich, selbst bei den dümmlichsten Fernsehsendungen der Italiener, bisweilen wie gebannt an deren Lippen hänge. Nicht, weil der Inhalt der Sendung so außerordentlich spannend ist oder weil die Menschen besonders intelligente, hochkomplexe Dinge von sich geben. Sondern, damit ich die ein oder andere Redensart oder Ausdrucksform aufschnappen kann und so mein Vokabular aufstocken kann.

Also, natürlich kommt es auch vor, dass ich keine Ahnung habe, von dem, was gerade gesprochen wird, aber um so wichtiger ist es mir, wenigstens unter den paar Fetzen, die ich dann doch kapiere, die ein oder andere Formulierung aufzutun, die meinen Sprachschatz berreichert. (Ich bin ein linguistisches Trüffelschwein, haha!)

Immer mal wieder stolpert man auch über so nette Nebenbei-Zufälle im molisischen Dialekt, wie Matratze (im Dialekt: matrazzo), die ja ohnehin schon einen sichtbaren gemeinsamen Wortursprung mit “materasso” hat, oder Petersilie (eigentlich “prezzemolo”), die bei den Molisen petrolisio ausgesprochen wird.

Aber im Grunde spreche ich eher von so feststehenden Redewendungen, die eine Sprache eben ausmachen. So etwas wie den bzw. die luna di miele, zum Beispiel. Macht als Mond des Honigs oder Honigmond im Deutschen wenig Sinn. Wenn man aber weiß, dass im Englischen die Flitterwochen honeymoon genannt werden, wird einem da schon etwas klarer. Klingt Honigmond zwar vielleicht etwas klebriger als Flitterwochen, aber irgendwie auch romantischer. 😀

Für’s Deutsche gibt es solche Paarungen allerdings aber durchaus auch. Und teilweise sind die sogar recht gut zu gebrauchen!

Bleiben wir mal kurz bei der Romantik. Sich wie im siebten Himmel fühlen, beispielsweise, kann man sich genau so auch im Italienischen: sentirsi nel settimo cielo. Und nach den ersten verliebten Wochen, ist man sich dann hoffentlich bald mehr als sicheressersi più di sicuro.

Wenn nicht, sollte man gegebenenfalls vielleicht nochmal eine Nacht über die Sache schlafen, dormire sopra la cosa. Immerhin ist die Nacht noch jungla notte è ancora giovane.

Wer dann aber immer noch beim andern bleibt und ihm etwas vorgaukelt, hat wirklich keinen Skrupel, non ha scrupolo.

Die Sprache ist einer der für mich faszinierendsten Faktoren an Italien. Gut, zugegeben, ich hab eben auch ein Sprachfaible. Italienisch aber ist nicht nur eine der ältesten und originärsten europäischen Sprachen, sie bietet als Lateinableger vor allem für den gemeinen Germanen so einige Stolperfallen. Und ja, ich trete mit zuverlässiger Regelmäßigkeit hinein. Besonders bei Redewendungen oder bei Konstruktionen, die man einfach häufig benutzt, kann es bisweilen fatal werden, diese eins-zu-eins zu übersetzen. So klopft man in Italien nicht auf Holz (*bussare legno), sondern berührt Eisen (toccare ferro). Und die Kirschen, die aus Nachbars Garten schmecken auch nur den Deutschen besser (*le ciliegie del vicino gustano meglio (ok, das tut selbst mir ein bisschen in den Ohren weh)). Die Italiener halten’s, wie die Engländer oder Amerikaner eher mit dem grüneren Gras (l’erba del vicino è sempre più verde). Aber gut, Redewendungen sind feste Konstruktionen. Das muss man einfach auswendig lernen. Da…