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Craco – Die berühmteste Geisterstadt in Italien

Habt ihr schon einmal von Craco gehört? Wenn nicht, dann fragt ihr euch wahrscheinlich unmittelbar, warum ich sie hier als die berühmteste Geisterstadt in Italien bezeichne. Nein, nicht, weil es die einzige ist, die ich persönlich besucht habe. Und nein, auch nicht, weil ich nach einem Titel gesucht habe, der zum Anklicken animiert. Es ist nämlich so, dass Craco tatsächlich zu den berühmtesten verlassenen Ortschaften gehört, die man in Italien finden kann. 

Wie Craco die berühmteste Geisterstadt in Italien wurde

Zu verdanken hat Craco den Titel berühmteste Geisterstadt in Italien dem Umstand, dass sie bereits in mehreren internationalen Filmen als Kulisse gedient hat. Der bekannteste darunter dürfte wahrscheinlich das 2004er Epos “Die Passion Christi” von Mel Gibson sein. Der wurde zwar zu großen Teilen in der europäischen Kulturhauptstadt 2019 Matera gedreht. Die Szene, in der Judas gehängt wurde, wurde allerdings vor dem Panorama der verlassenen Ortschaft Craco gedreht. Außerdem diente die Geisterstadt als Drehort für die Realisierung des Filmes “Christus kam nur bis Eboli” (1979) nach Vorlage des gleichnamigen Buches von Carlo Levi. Einen wichtigen Unterschied gibt es allerdings zwischen dem Craco aus “Christus kam nur bis Eboli” und dem Craco aus “Die Passion Christi”. Während der Dreharbeiten zu ersterem war die heutige Geisterstadt noch bewohnt. 

Ebenso zu den Zeitpunkten, zu denen die Filme “Die Wölfin von Kalabrien” (1953), “Il tempo dell’inizio” (1974), “Drei Brüder” (1981), “König David” (1985), “Ein wahrer Jünger seines Herrn” (1986) und “Nachtsonne” (1990) gedreht wurden. Erst danach war Craco die verlassene Stadt, die sich um den Titel berühmteste Geisterstadt in Italien verdient gemacht hat. Vor dieser spektakulären Kulisse wurden neben dem bereits erwähnten Mel-Gibson-Film auch entweder komplett oder in Auszügen “Lolita des Südens” (1996), “Terra Bruciata” (1999), “The Big Question” (2004), “Es begab sich aber zu der Zeit …” (2006), “James Bond 007: Ein Quantum Trost” (2008), “Basilicata Coast to Coast” (2010), “Ein Landarzt” (2012) und “Montedoro” (2015) abgedreht. Zuletzt hat sich der Discovery Channel der Geisterstadt Craco gewidmet und eine Dokumentation hier produziert, deren Erscheinung für nächstes Jahr geplant ist. Ihr seht: Ich habe nicht zu viel versprochen. Und die ganzen italienischen TV-Produktionen sind hier noch gar nicht aufgeführt.

Ein Besuch in der Geisterstadt Craco in Basilikata

In die Geschichte Cracos habe ich euch ja bereits eingeweiht. Darum überspringe ich diesen Part und verweise euch stattdessen lieber auf diesen Artikel hier, wenn euch die Hintergründe der Geisterstadt interessieren. (Was mich natürlich freuen würde!) Stattdessen möchte ich euch an dieser Stelle von meinem Besuch in Craco erzählen und euch einladen, beim nächsten Italienurlaub einen Ausflug in diese verlassene Ortschaft mitten im Nirgendwo von Basilikata einzuplanen.Blick durch Tor und Fenster auf die Landschaft, die Craco, die berühmte Geisterstadt in Italien, umgibt

Die wichtigsten Attraktionen Cracos

Natürlich ist die Geisterstadt selbst schon eine Attraktion, die es zu begehen und zu bestaunen lohnt. Dennoch möchte ich euer Augenmerk auf die wichtigsten sechs Bestandteile der verlassenen Ortschaft lenken, die besonders hervorstechen.

Klicke hier, um mehr über die Attraktionen Cracos zu erfahren

Die Hauptstraße Via di Mazza

Die “Hauptstraße”, die durch Craco führt und die euch über einige niedrige, schräge und unebene Treppenstufen den Aufstieg zum höchsten Punkt der Stadt nicht gerade leichter machen. Besonders dann nicht, wenn ihr euch die Sommermonate für euren Urlaub bzw. Besuch aussucht. Da ist es nicht nur verständlich, sondern bestens nachvollziehbar, dass die Straße von den Einwohnern schon zu Zeiten, als Craco noch bewohnt war, als die Via di Mazzo bezeichnet wurde.

Mazzo bedeutet im Italienischen so viel wie “Strauß” oder “Bündel”. Es wird umgangssprachlich aber auch verwendet um eine unglaubliche Anstrengung auszudrücken. “Farsi il mazzo” bedeutet im übertragenen Sinn so viel wie “sich den Hintern aufzureißen”.  Wer die historische Hauptstraße in Craco bei 30°C im Schatten bis zum Gipfel hinaufsteigt, wird bestens nachvollziehen können, warum dieser Spitzname äußerst passend ist.

Der normannische Turm, Torre Normanna

Der normannische Turm markiert nicht nur den höchsten Punkt der Stadt, sondern auch eines der intaktesten Gebäude. Dass der Turm bei all den Erdrutschen unbeschädigt geblieben ist, verdankt er ausgerechnet dem Umstand, dass er eines der höchstgelegenen Monumente der Geisterstadt ist. Auf dem Gipfel blieb er von den Folgen der Abrutsche, die sich weitgehend an den seitlichen Hängen und unterirdisch im Sediment abgespielt haben, verschont.

Der Torre Normanna in der berühmten Geisterstadt in Italien, Craco

Der Turm wurde im frühen Mittelalter errichtet, erstmals schriftlich belegt wurde er Mitte des 11. Jahrhunderts. Im 13. Jahrhundert wurde der Turm auf Geheiß Friedrichs II. als Gefängnis für lombardische Kriegsgefangene benutzt. In den Fünzigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde darin das Wasserreservoire der Stadt untergebracht, damit Craco endlich mit fließend Wasser versorgt und ans öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen war. Hier habt ihr eine wunderbare Panoramaaussicht auf die umliegende Landschaft!!

Die Palazzi Nobiliari, die Wohnhäuser der Adligen

Im 15. Jahrhundert erstreckte sich Craco rund um die vier wichtigsten Häuser der Stadt. Das waren, selbstredend, die Palazzi der reichsten, angesehensten und, nun ja, adligen Bürger des Orts. Das sind insgesamt natürlich die imposantesten und größten der Wohnhäuser. Dazu zählen der Palazzo Madonna – nah des Wachturms, mit seinem monumentalen Backsteineingang und einem Terrassen artigen Balkon -, der im 17. Jahrhundert restaurierte und vergrößerte Palazzo Carbone original aus dem 15. Jahrhundert, der Palazzo Simonetti mit seinem niedrigen Spitzbogen am Eingangstor.

Der Palazzo Nobile der Familie Grossi in Craco, der Geisterstadt in Italien Ausschnitt des gut erhaltenen Deckenfreskos im Palazzo Nobile der Familie Grossi in Craco, der Geisterstadt in Italien

Der wichtigste der Palazzi Nobilari ist wohl der Palazzo Grossi, direkt gegenüber der Chiesa Madre. Erkennbar an den ausladenden Tür- und Fensterstürzen. Die Decken der Räume waren einst mit Tüchern bespannt. An den Balkonen sind noch immer Geländer aus Schmiedeeisen erhalten und sogar von außen kann man bis heute in einem der Zimmer die Deckenmalereien erkennen.

Die Chiesa Madre di San Nicola Vescovo

Schräg gegenüber dem bemerkenswerten Palazzo Grossi steht die Hauptkirche Cracos. Sie befindet sich im sogenannten zweiten Quartier, das nach der Kirche “Quartiere della Chiesa Madre” benannt wurde. Die Kirche ist dem Bischof Nikolaus geweiht – der, der Schutzpatron von Bari ist, dessen Gebeine ebenda ruhen, nachdem die Baresen sie aus der Türkei geklaut haben, und den wir am 6. Dezember feiern. Erstaunlicher Weise wurde die Kirche in Craco diesem aber geweiht, als der Bischof noch in Myra weilte.

Die Kirche ist etwa 30 Meter lang und 12 Meter tief. Neben dem monumentalen Eingangstorbogen, fällt an dieser Kirche vor allem ihr rundes Kuppeldach oben auf dem Glockenturm ins Auge. Man vermutet, dass dies den Einflüssen der Turkvölker geschuldet ist, die im Süden Italiens überall ihre Spuren hinterlassen haben. Der Glockengiebel hingegen wurde eher nach spanisch-portugiesischem Vorbild erbaut. Beim Blick ins Innere kann man noch heute gut erkennen, wo einst der Altar stand.

Monastero di San Pietro

Am Fuße der Geisterstadt Craco liegen die Ruinen des ehemaligen Kapuzinerklosters San Pietro. Das Gebäude samt Kreuzgang sind so gut erhalten, dass darin heute Multimedia-Shows und Ausstellungen angeboten werden. Diese geben Einblicke in die bewegte Geschichte der Ortschaft. Einzigartige Dokumente, Bilder und Filmaufnahmen von einem lebendigen Craco, wie es bis ins letzte Jahrhundert hinein noch aussah.

Blick auf das Monastero di San Pietro von Craco, der berühmten Geisterstadt in Italien, aus

Man kann in diesen Ausstellungen auf eindrückliche Weise den Niedergang der heute verlassenen Stadt nachvollziehen, und so noch besser verstehen, wieso Craco gerade Künstler so sehr inspiriert, dass diese sie in den Stand der berühmtesten Geisterstadt in Italien erhoben haben. Außerdem gibt das sogenannte Museo Emozionale di Craco Ausblicke in die Zukunft. Denn der Touristenverband hat mit dem verlassenen Burgdorf noch einiges vor.

Wie kommt man nach Craco?

Zugegeben, die Anreise ist etwas abenteuerlich. Wenn ihr mit dem Mietwagen unterwegs seid oder mit dem Wohnmobil einen Roadtrip durch Italien unternehmt, kommt ihr am einfachsten hin. Denn tatsächlich führt die Straße nach Craco durch das karge Hinterland von Basilikata. Zwar bedienen die Ferrovie Appulo-Lucane diesen Streckenabschnitt auch, allerdings befinden sich die nächst gelegenen Bahnhöfe Ferrandina-Matera, Pisticci und Metaponto immer noch ein ordentliches Stück weit weg von dieser abgelegenen Geisterstadt in Italien. Eine Busverbindung gibt es nicht. Ihr könnt aber die Betreiber des Parco Museale Scenografico di Craco kontaktieren. Die holen euch dann von einem der drei erwähnten Bahnhöfe zur vereinbarten Uhrzeit ab und fahren mit euch den Berg hinauf nach Craco. Selbstverständlich begleiten euch die Guides auch wieder zurück zur gewünschten Abfahrtsstation. 

Mit dem Auto von Salerno Reggio Calabria kommend müsst ihr die Ausfahrt Sicignano (Provinz Potenza) nehmen, dann auf der Bundesstraße SS 407 in Richtung Metaponto nehmen. Als nächstes die Ausfahrt Pisticci nehmen. Ab hier ist Craco ausgeschildert. Aus der andern Richtung (Tarent) kommend, fahrt die Ausfahrt Metaponto in Richtung Potenz ab. Dann auch hier bis zur Ausfahrt Pisticci dem Straßenverlauf folgen. Abfahren und den Schildern (oder dem Navi) nach Craco folgen.

Sowohl im Auto, als auch im Zug will ich euch raten, unbedingt das herrliche “Outback”-Panorama zu genießen. Die Landschaft ist hier wirklich einzigartig. Eine Mischung aus afrikanischer Steppe in der Trockenzeit und dem mittleren Westen der USA. Hügel und Berge, vereinzeltes Buschwerk auf kargen Böden, teilweise durchzogen von tiefen Furchen, die auf Google Maps noch immer als Flüsse und Flussläufe gekennzeichnet sind. In Wahrheit sind die Flussbetten längst ausgetrocknet und mit Gräsern, Schilfgewächsen bewachsen. Antike Aquädukte, tolle Viadukte kreuzen vereinzelt euren Weg. Berge und Abfahrten geben den Blick frei auf eine unvergleichliche Landschaft, wie sie euch dann auch von Craco aus zu Füßen liegt. Allein die Umgebung ist meiner Meinung nach schon einen Besuch der meist gefilmten Geisterstadt in Italien wert. 

Panorama von Craco, der einzigartigen Geisterstadt in Italien, über die umliegende Landschaft

Öffnungszeiten, Kosten und Vorkehrungen für den Besuch in Craco

Was ihr sonst noch wissen solltet, bevor ihr Craco besucht. 

Je nachdem, aus welcher Richtung man den Berg, auf dem Craco thront, erklimmt, liegt das Ticketbüro entweder circa 300 Meter vor oder hinter der eigentlichen Stadt. Es ist aber ausgeschildert. Auch, wenn die braunen Hinweisschilder teilweise etwas von Rost zerfressen sind, sind sie gültig. Im Zweifelsfall steht dort ein für Süditalien typischer Streetfood-Truck, die euch sagen, wo ihr hinmüsst. 

Ihr könnt die Altstadt von Craco nicht alleine besichtigen. Das ist aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Darum sind mögliche Zugänge zur Stadt abgesperrt. Stattdessen müsst ihr im Ticketbüro eine sogenannte Craco Card erwerben. Damit seid ihr berechtigt, an der nächsten Führung teilzunehmen. Wenn ihr nur das historische Zentrum besichtigen wollt, kostet das

  • für italienische Führungen 10,- Euro pro Person,
  • für eine Tour auf Englisch 15,- Euro pro Person.

Wenn ihr außerdem auch einen Einblick ins Monastero und damit die Ausstellung besichtigen möchtet, bezahlt ihr jeweils 5,- Euro pro Person mehr. Ihr könnt wahlweise auch nur das multimediale Angebot im ehemaligen Kloster nutzen. Der Eintrittspreis bleibt bei 5,- Euro pro Person. Die Führung durch Cracos Altstadt dauert etwa eine Stunde. Die Multimedia-Ausstellung im Convento di San Pietro circa 45 Minuten

Infotafel von Craco, der bekannten Geisterstadt in Italien

Geöffnet ist die bekannteste Geisterstadt in Italien jeden Tag – wobei ich stark vermute, dass nationale Feiertage wie Santo Stefano (25.12.), Ferragosto (15.8.) und Capodanno (1.1.) davon ausgenommen sein dürften, auch wenn es die Betreiber auf der Internetseite des Parco Museale Scenografico di Craco anders ausweisen – ab 9.30 Uhr morgens bis zur Abenddämmerung. Zwischen 13.00 und 14.30 Uhr haben die Guides Mittagspause. Das Ticketbüro ist aber dennoch geöffnet. Die letzte Führung richtet sich danach, wann die Sonne untergeht, was in den Wintermonaten naturgemäß früher ist, als im Sommer. Im Zweifelsfall fragt lieber vorher nach. (Unter +39 3295697588 erreicht ihr Saverio, einen Guide, der auch Englisch spricht – und die Nummer ist auch auf der Homepage mit entsprechendem Verweis hinterlegt, darum, ja, ich denke, es geht in Ordnung, wenn ich sie auch hier zitiere.)

Es sind auch nächtliche Führungen durch Craco möglich!

Es gibt dabei allerdings ein paar wichtige ABER, auf die ich euch hinweisen möchte: 

  • Nachtführungen müssen unbedingt reserviert werden.
  • Es müssen mindestens 3 Teilnehmer dabei sein.
  • Maximal darf eine Anzahl von 5 Personen teilnehmen.
  • Die Führung kostet für den ersten Teilnehmer 100,- Euro!
  • Jede weitere Person bezahlt 20,- Euro Eintritt.

Mein letzter Hinweis zu eurem Besuch der Geisterstadt

Ihr dürft nur unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen an der Besichtigung des verlassenen Burgdorfes teilnehmen. Am Haupteingang gibt es darum einen Treffpunkt, bei dem ihr mit einer Einmalschutzhaube und einem Sicherheitshelm ausgestattet werden. Bei extremer Sonne oder Regen werden euch außerdem Schirme zur Verfügung gestellt, um euch ein wenig zu schützen, sodass ihr, nicht wie ich, auf den letzten Metern des ausklingenden Sommers noch mal einen dicken Sonnenbrand abbekommt. 😉 Ob euch im Winter ggf. Spikes ausgeliehen werden, damit ihr die Steigung hinauf kommt, weiß ich nicht. Aber da Süditalien nun nich unbedingt für Glatteis und Frost bekannt ist, auch im tiefsten Winter nicht, dürfte das auch überflüssig sein – sofern ihr nicht einen absoluten Ausnahmewinter erwischt. …und ich kann euch beruhigen: So schlimm schaut man mit Bauarbeiterhelm und Häubchen gar nicht aus, wie wir – finde ich – sehr gut beweisen. 😀Privater Schnappschuss beim Besuch der schönen Geisterstadt in Italien, Craco

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