Flip-Flop-Verbot: Cinque Terre verhängt Strafen gegen Latschenträger

Kann ein Flip-Flop-Verbot Cinque Terre entlasten? Eintagstouristen, die mit Kreuzfahrtschiffen Italien ansteuern, wird vielerorts der Spaß verdorben. Während Venedig von Tagestouristen zukünftig Eintrittsgeld verlangt, wehrt sich die Region Cinque Terre auf andere Art und Weise. Ab 2020 drohen Strafen von bis zu 2.500 €. Das steckt dahinter:

Flip-Flops sind keine Wanderschuhe

Das, sollte man meinen, dürfte einem der gesunde Menschenverstand eigentlich sagen. Wie es aussieht, scheint dieser aber bei einigen Touristen im Urlaub auszusetzen. Denn anders kann man sich kaum erklären, wieso sie sich in Latschen aufmachen, die Wanderwege und Hügel der Cinque Terre zu erkunden. Nur noch mal zur Verdeutlichung: Wir reden hier von kurvigen Steilküsten und schmalen, gewundenen Waldwegen! Diese zunehmende Uneinsichtigkeit, Unbekümmertheit oder auch Leichtsinnigkeit sorgt in der beliebten Urlaubsregion immer wieder für – teure – Zwischenfälle. Vermehrt müssten nämlich Touristen, die in Sandalen, Flip-Flops und schlicht ungeeignetem Schuhwerk mit glatten Sohlen die Cinque Terre durchforsten, geborgen werden. Zunehmend sogar per Hubschrauber.

Der Direktor des Parco Nazionale delle Cinque Terre, der witziger Weise Patrizio Scarpellini (Schühchen) heißt, hat sich nun gemeinsam mit den Carabinieri Forestali zu einer drastischen Maßnahme entschieden und ein Flip-Flop-Verbot ausgesprochen:

“Man wird die Wanderpfade ohne geeignetes Schuhwerk nicht mehr betreten dürfen: glatte Sohlen oder, im schlimmsten Fall, Flip-Flops. Das Wegenetz der Cinque Terre ist von ähnlicher Charakteristik wie Wanderwege in den Bergen. Es geht um die Sicherheit aller.”

2019 soll nun zunächst einmal eine umfangreiche Aufklärungskampagne gestartet werden, einschließlich Hinweisschildern, Flyern und dergleichen. Ab 2020 sollen Verstöße gegen die Kleidungsvorschriften künftig zwischen 50 € und 2.500 € Strafe kosten.

Flip-Flop-Verbot Cinque Terre

So soll das Flip-Flop-Verbot Cinque Terre entlasten

  1. Durchaus vermeidbaren Unfällen durch leichtsinnige Urlauber soll reduziert werden. Was, so sollte man meinen, durchaus in deren eigenem Sinne ist.
  2. Sanitäter, Bergretter und Feuerwehr sollen entlastet werden. Die haben in der Hochsaison auch ohne gestürzte Latschenträger genug zu tun.
  3. Strafen gegen Verstöße in Höhe einer Kreuzfahrtreise 😉 dürften dem Touri zwar weh, der kommunalen Haushaltskasse aber gut tun.
  4. Die Cinque Terre könnten für Kreuzfahrtreedereien und Tagestouristen unattraktiver werden, was dem Umwelt- und Naturschutz zugute käme.
  5. Eintagstouristen könnten dadurch angespornt werden, die Cinque Terre als lohnenswertes Reiseziel zu betrachten, nicht als Nebenbei-Abklapper-Station.

Wieso das Flip-Flop-Verbot in Cinque Terre besonders Kreuzfahrtler treffen wird

Kreuzfahrer sind Eintagstouristen. Auf dem Schiff finden sie jeden Komfort und eine Rundumversorgung, was dazu führt, dass sie im Urlaubsort meist keinen müden Cent mehr lassen. Darunter haben die Menschen zu leiden, die vom Tourismus leben. Stattdessen hinterlassen sie Müll und bringen sich selbst in Gefahr. Nicht minder kritisch sind die Dieselrußschwaden der schwimmenden Luxusdampfer, die in der nähe der Naturschutzgebiete in den Cinque Terre anlegen.

Für ihre Tagesausflüge sind Kreuzfahrturlauber in aller Regel eher mit dem Mindesten ausgestattet. Leichte Kleidung, Sonnenbrille und -creme, sowie ein kleiner Rucksack und eben Sandalen und Flip-Flops. Dabei bedenken sie eher selten, dass steile Stiege und schmale Trampelpfade eher nicht der passende Untergrund sind, die sie mit diesem Schuhwerk betreten sollten. Aber, wer packt schon Wanderschuhe bei der hochsommerlichen Mittelmeerkreuzfahrt ein, richtig?

Eben. Und genau aus diesem Grund wird die Strafe, die in Cinque Terre für das Tragen von Latschen im Gelände verhängt werden wird,  ganz besonders hart die “Urlauber” treffen, die die Gegend einfach mal nur eben so mitnehmen wollen, weil sie halt schon mal da sind. Genauso, wie es sie am härtesten treffen wird, wenn sie Venedigs Innenstadt in Zukunft heimsuchen wollen. Dort sorgen die Kreuzfahrtdampfer bereits seit Jahren für Schäden an der Bausubstanz von Brücken und Kanalwänden.

Die Cinque Terre wurde 2018 von 450.000 Kreuzfahrttouristen frequentiert, Schätzungen für das Jahr 2019 liegen bei rund 750.000. Kurz hat man in der Region sogar mit dem Gedanken an eine Obergrenze gespielt. Nun will man aber erst einmal durch Warnkampagnen und Strafzahlungen Rettungsdienste und die Natur versuchen zu entlasten. Bleibt zu hoffen, dass dieses Konzept ausreicht und vielleicht den ein oder andern dazu animiert, dieser traumhaften Region mehr Zeit, Respekt und Muse zu widmen.

12 Comments

  1. Wow, eigentlich ist es ganz schön traurig, dass man solche Maßnahmen mittlerweile braucht. Eigentlich sollte man ja denken, dass ein erwachsener Mensch selbst soweit denken kann. Aber wie so oft vermiest das Verhalten mancher die Freude der anderen. Ob sie sich damit aber nicht ins eigene Fleisch schneiden, wird sich ja noch zeigen 🙂

    Liebe Grüße aus Berlin 🖤

    • Ganz genau meine Meinung. Es ist schade, dass es aus Uneinsichtigkeit, Unachtsamkeit und Unbedarftheit der Touristen überhaupt so weit kommen muss. Ich denke nicht, dass sich ausgewiesene Touristenziele wie Venedig oder die Cinque Terre damit ins eigene Fleisch schneiden. Die zuerst angedachte Obergrenze für Kreuzfahrtschiffe hätte bestimmt mehr an dem Ast gesägt, auf dem diese Urlaubsregionen sitzen. Andererseits haben die Reiseziele immer auch den Vorteil, dass sie Slowtravelling promoten können. Da haben sie dann auch mehr von, insgesamt, als von den Tagestouristen, die ihre Orte unsicher machen und keinen Cent da lassen, weil sie auf dem Schiff alles inklusive haben… Ja, wird alles die Zeit zeigen. 🙂

  2. Die These, dass ein FlipFlop-Verbot oder der Eintrittspreis für Venedigs Innenstadt die Kreuzfahrer hart treffen wird, halte ich für sehr gewagt. Insbesondere Venedig – wer eine vierstellige Summe für eine Kreuzfahrt ausgibt, den schreckt auch der Eintrittspreis für Venedig nicht.

    • Natürlich, aber wer Geld für passendes Schuhwerk hinlegen muss, muss halt zwei Mal bezahlen. Ich denke schon, dass Eintrittspreise und Geldstrafen den ein oder anderen zumindest zum Umdenken anregen werden. (Und mehr soll ja erstmal gar nicht erreicht werden, sonst hätte man Maßnahmen ergriffen, wie die Obergrenze für Kreuzschiffe, um den Massen an Tagestouristen etwas entgegenzusetzen.) Gerade Kreuzfahrer, die sich ja gern nur für “an Deck” bepacken und keinen Gedanken daran verschwenden, dass ihr Rundum-Service auf dem Schiff (sowie die Schiffe selbst, gerade in Venedig) Konsequenzen für die Orte hat, die sie besichtigen. Aber das sind halt zwei Sichtweisen. Welche Annahme sich bestätigt, wird wohl erst die Zeit zeigen. 😉

  3. Liebe Giulia,
    ein super Beitrag! Was sich so lustig anhört, ist leider vermutlich nötig. In Island haben wir auch mal einen mit Sandalen und Socken gesehen, obwohl der Weg zum Wasserfall eisig und rutschig war. Unverantwortlich so etwas, denn man will sich nicht vorstellen was passiert, wenn man ausrutscht… das kann tödlich enden!
    Das Verbot könnten wohl mehrere Orte brauchen…
    liebe Grüße
    Ines und Thomas

    • Oh ja, ich frag mich auch immer, wie manch einer auf so eine Idee kommt? Es erschließt sich mir nicht wirklich…

  4. Eigentlich dachte ich, es sei ein Aprilscherz. Glücklicherweise aber meinen es die Italiener ernst.
    Ich finde es unverantwortlich mit welchem Schuhwerk Menschen “wandern” gehen. Die Bergwacht bringt sich dann selbst wegen solchem Leichtsinn in Gefahr.
    Gerne können wir das Gesetz auch in Bayrischen Bergen einführen.

    Liebe Grüße, Katja

    • Ja, leider denken viele Menschen einfach nicht so weit. War nicht kürzlich auch so eine Aufregung, weil auf den Almen eine Kuh einen Hund oder so angegriffen hat? Die Leute sind einfach überall so unglaublich unachtsam geworden. Schade, dass man da auf diese Maßnahmen zurückgreifen muss. Aber immer noch besser, als so weiter zu machen.

  5. Hallo, ein interessanter Beitrag! Muss man nun in Venedig tatsächlich Eintritt bezahlen? Irre irgendwie… Und das mit dem Flip-Flop-Verbot in Cinque Terre finde ich auch nicht prickelnd! Weil irgendwie müsste man ja Stöckelschuhe, Riemchensandalen & Co. dann auch bestrafen?! Also wo fängt man an, wo hört es auf…. Ganz liebe Grüsse, Janina

    • Insgesamt geht es erst einmal darum, unadäquates Schuhwerk zu vermeiden. Also insgesamt. 🙂 Aber die Behörden haben halt gerade häufig Unfälle mit FlipFlops zu verzeichnen. Darunter fallen durchaus auch Sandalen. Und wer in Hi-Heels durch die Berge stapft, dem ist – meiner Meinung nach – sowieso nicht mehr zu helfen. 😉

  6. Auch wenn ich mir nicht sicher bin ob es ein Aprilscherz ist, sinnvoll wäre es in jedem Fall.
    Denn auf was für Ideen Menschen kommen ist immer wieder absolut unverständlich. Und das schlimmste dabei ist immer, sie bringen andere Menschen damit in Gefahr. Denn warum muss beispielsweise die Bergrettung so oft Hilfe leisten? Weil eben falsches Schuhwerk zu gefährlichen Situationen führen.

    Somit, eine Idee, nicht nur für Italien.
    Liebe Grüße, die auszeitgeniesser.de Katja

    • Ich weiß, der ging am 1. April online, aber die Meldung ist schon älter. Es handelt sich also um keinen Aprilscherz. Einerseits traurig, andererseits, ja, eine gute Idee. LG Julia

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